Chronik 1948 -1976

1948 Die Siedleräcker sind in große Pläne zusammengelegt worden.
1948 Die große Linde auf der Grauwe, dem Platz des Grafen, ist in diesem Jahre gefällt worden, um Platz für die Neubauernhäuser zu schaffen.
Die Linde stand am Rande der Hauptstraße an der Chaussee nach Welbsleben.
1949 / 1950 In diesen Jahren wurden folgende Gebäude abgebrochen:
  • der große Kuhstall für 80 - 120 Milchkühe auf dem Gut.

Die Wetterfahne darauf trug die Jahreszahl 1858.

Im Landesmuseum von Halle befindet sich über den vorher noch geordneten Bau, als Altertumsmerkmal, eine Fotoaufnahme.
Große Teile des Gutes (Rittersaal und Kemenate, die Küche des Waschhauses, die Molkerei mit dem Boden über der Käserei, der Mittelbau, der kleine Kuhstall, Stellmacherei und das Futterhaus vor dem Ochsenstall).
Das angefallene Abbruchmaterial erhielten die Neubauern für den Bau von neuen Siedlungshäusern.

1949 /1950 Nach der Bodenreform wurden in Westdorf folgende Neubauernhäuser (Siedlungshäuser) gebaut:

im Bereich An der Grube/Siedlungsweg/Hauptstraße: (insgesamt 15 Neubauernstellen)

Paul Jeschke Paul Vopel
Albert Haut Richard Schmidt
Walter Arndt Fritz Rothe
Max Köhler Karl Franke
Alfred Edel Hans Paulin
Max und Else Edel Adolf Müller
Fritz Edel Karl Huschbeck
Otto Trinka  
auf dem Gute bauten aus:  (insgesamt 12 Siedlerstellen)
Wilhelm Wenzlau Karl Staat
Otto Brumby Johannes Niski
Fritz Schmidt Josef Bernardie
Florian Schmetzko Hans Schiering
Fritz Stemmler Schäfer Walter Rockmann
Karl Kiel Alfred Töpperwien

Die Zehnerscheune und der Brauereiteil des Gutes wurden für 2 Siedlerstellen ausgebaut.

1949 /1950 Die Neubauern waren:
  • Karl Staat,
  • Walter Aheimer,
  • Fritz Kiel,
  • Otto Brunkau,
  • Gustav Fischer,
  • Walter Rockmann,
  • Walter Rechenberg,
  • Alfred Töpperwien,
  • Walter Paulin und sein Sohn Hans,
  • Karl Franke,
  • Fritz Rothe,
  • Johann Niski,
  • Hans Ballin,
  • der Italiener Josef Bernardie,
  • Max bzw. Else Edel und Schwiegersohn Werner Schulzki,
  • Alfred Edel,
  • Paul Vopel,
  • Max Köhler,
  • Fritz Edel,
  • Albert Haut und Sohn Horst,
  • Richard Schmidt,
  • Paul Jeschke,
  • Karl Huschbeck jun. und
  • Adolf Müller.

(alle hatten ein Wohnung bzw. Haus auf Lehmbaukonstruktion, viele der Häuser standen auf der Grube)

Folgende Neubauern hatten schon früher eine Landwirtschaft im Orte:

Walter Arndt, Paul Arndt, Franz Arndt, Walter Paulin, Heino Westphal, Rudolf Arndt, Fritz Schiller bei Hauschke, Albert Mußmann, Franz Popendicker, Richard Schulle im Winkel, Herbert Ulrich, Otto Popendicker, Kurt Müller und Toni Köhler,(Wenzel), Hermann Bormann und Karl Huschbeck sen. am Welbslebener Weg.


Im Rittergutshof entstanden folgende Neubauernwirtschaften:

Fritz Schmidt, Fritz Stemmler, Karl Düresch, Wilhelm Wenzlau, Otto Brumby, Florian Schmetzko und im Etterwendtschen Haus war Karl Kiel eingezogen. In der Gärtnerei war Otto Trinka als Neubauer drin.
Und sie fingen nun alle an, für sich zu arbeiten, jeder so gut er konnte und sie mußten Soll abgeben (früher sagte man den Zehnten).
Alle Jahre wurde das Soll höher veranlagt, auch tierisches Soll, Eier nach vorhandener Ackerfläche.

Aufgegeben haben nach kurzer Zeit:

  • Rechenberg,
  • Rockmann,
  • Aheimer,
  • Staat,
  • Haut und Brunkau.

Später haben aufgegeben:

  • Herbert Ulrich,
  • Kurt Müller,
  • Franz Arndt und Karl Düresch.

Heute (um 1970) haben alle den Acker bis auf 2 Morgen in die Genossenschaft (LPG = Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) eingebracht. Sie haben nur noch eine Kuh, höchstens zwei.

1950 Die Pfarr- Kirchenkasse kam nach Aschersleben.
1950 Die alte Scheune am Pfarrhaus Am Wasser musste wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.
Abrisskosten: 9.000 Mark.
1950 Nach dem Kriege sollte die Einebrücke vom Schützenplatz zum Mühlberg, die im Jahre 1935 eingestürzt war, wieder aufgebaut werden.
Als das Fundament auf der Wiesenseite fertig war, stellte die Ascherslebener Firma Brombeer die Arbeiten ein.
um 1954 Daraufhin bekam eine Hallesche Firma den Auftrag.
Bei der Feststellung des Baugrundes bohrte man auf der Wiesenseite eine unterirdische Quelle an, die eine volle Woche lang Tag und Nacht sprudelte (1 Meter hoch, 15 cm stark).
Das Bohrloch wurde mit Steinen und Zementmasse verfüllt und somit die Quelle zum Stillstand gebracht.
Die Steinbogenbrücke wurde 1955 fertig gestellt.
1955 In diesem Jahre musste die dickste Akazie des Ortes (mit einem Stammdurchmesser von 1,50 Meter) gefällt werden, weil der Stamm gespalten war. Dieser Baum stand an der Bergstraße vor dem Grundstück Hartmann/Schiller.
1955 Das 100jährige Bestehen des Männergesangvereines Westdorf.
Aber niemand getraute sich, eine Reklame zu machen, denn die alten bürgerlichen Vereine waren unerwünscht.
Der Verein verharrte noch im Trance zustand.
1956 Westdorf bekam eine neue Wasserleitung. Bürgermeister war damals Heinz Umlauf.
1956 Am 09.01. war ein Regenbogen zu sehen!

An diesem Tag im Januar des morgens 6 Uhr, es war stark dunkel, war westlich von uns ein Gewitter mit Blitzen und starken Donner grollen.
Die Menschen horchten auf.
Die Arbeiter gingen in die Fabriken, die Landarbeiter auf den Hof der LPG. Im Südwesten stand der Mond am Himmel und schaute dem Gewitter zu.
Das Gewitter ging über Wernigerode hinweg, das stand am nächsten Tag in der Zeitung.
Und im Nordosten war ein voller, leuchtender Regenbogen auf der dunklen Himmelswand zu sehen! Das war ein Schauspiel, einmalig!

1958 In diesem Jahre war es 14 Tage im Februar sehr warm. Danach kam Schnee, Kälte und Tauwetter und wieder Schnee.
Dadurch sind die Apfelbäume, Pflaumenbäume, Kirschbäume, Pfirsichbäume und Schattenmorellen in den Kronen und auch im Stamm erfroren und ausgewintert.
1959 Das Kirchendach wurde repariert und teilweise erneuert durch den Dachdecker Bormann aus Aschersleben.
1959 Die Seilaufzüge der Kirchturmuhr waren , die seit dem 05.05.1914 ununterbrochen ging, durchgerostet. 20 Zentner Eigengewicht der Uhr haben die Windanlage und die Turmtreppen zerschlagen. Die Haftpflichtversicherung trat für den Schaden ein.
1960 Im Stadtweg im letzten Hause rechts bei den Pfarrwiesen wohnte der Mediziner Dr. Paul Taube. Er war Ehrenmitglied des Schützenvereins.
1960 Die Maul - und Klauenseuche war und Klauenseuche in unserem Ort.
1963 Das Grabdenkmal auf der Südseite in der Kirche frei geworden, weil die Prieche entfernt wurde. In einem Holzbalken war eingeschnitzt: Kanter Wisch, 1700. Nun sah man das Wappen derer von Weddesdorpe.
1963 Der Kirchenrat wurde neu gewählt.
Ihm gehörten damals an:
  • Emil Fiedler,
  • Albert Mußmann,
  • Frau Reiche und
  • Willy Hanebutt.

Beiräte: Frau Kneucker und Fritz Schiller.

1963 In Westdorf wurde die Goldene Konfirmation begangen, einige feierten auch die Diamantene Konfirmation.
Als Pfarrer war Karl Zeising von Welbsleben im Orte.

Eingeladen waren:
  • Albert Pfannschmidt von Beruf Büchsenmacher, später Werkzeugmacher in der Wema
  • Klara Hauschke geb. Hartmann
  • Otto Brunkau
  • Walter Meyer, Eisendreher
  • Erich Bormann, Eisendreher
  • Hermann Bormann, Schlosser
  • Franz Löblich, Eisendreher
  • Margarete Kruse geb. Triebel
  • Anna Pfeiffer
  • Ewald Stemmler Former
1964 Die Gaststätte Schwarzer Bär wurde umgebaut.
In den unteren Räumen ist eine Konsum-Verkaufsstelle eingerichtet worden und in der oberen Etage wurde im Saal ein Kindergarten untergebracht.
1965 Seit 1965 war in Hanebutts Haus in der Bergstraße ein Friseurgeschäft.
1968 Das Pfarrhaus wurde für 5.000 Mark und das Kantorat für 8.000 Mark verkauft.
1968 Emil Fiedler und Willy Hanebutt legten ihr Amt im Kirchenrat nieder.

Nachfolger wurden: Fritz Schiller und Frau Kneucker.
1971/1972 Die Wasserversorgungs-Hauptleitung wurde in der Westdorfer Flur verlegt, 2,50 Meter tief (von der Ziegelei Schröder, Welbsleben nach Aschersleben). Das Wasser kommt von der Rappbode-Talsperre.
1972 Nach 1972 wurde die Gaststätte Rosengarten völlig umgestaltet, nach der Übernahme durch die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Westdorf).
1974/1975 Auf dem Schützenplatz wurde die Muttererde zum Teil abgenommen.
Der Platz ist mit Schotter und Kiesdecke überzogen und gewalzt worden, um einen Parkplatz zu erhalten.
1974 Die Dorfstraße (die heutige Hauptstraße) und die Straße Am Anger sind neu geteert und eine Abwasseranlage eingebaut worden.
1974 Der Kirchturm der Westdorfer Kirche wurde neu gedeckt sowie die Fahnenstange und die Fahne zum Drehen gebracht.
1974 Die Orgel der Sankt Georgs Kirche ist in diesem Jahre verkauft worden für 6.000 Mark an einen Orgelbauer, der sie reparierte und weiterverkaufte.

Diese Orgel erfreute am 29.03.1914 zum ersten Male mit ihrem schönen Klang, 2 Menualen und vielen Registern die Westdorfer.
1974 Die Uhr im Kirchturm wurde in diesem Jahre repariert. Sie gehörte der Gemeinde.
1975 Es war ein außergewöhnlich heißes und trockenes Jahr mit wenig Regen und Tau.
Flaches Getreide und trockene Wiesen, wenig Obstbehang, viel Befall der Früchte!
Harter Kartoffelacker, wie Felsen. Kein Pflaumenbehang wie sonst.
Der See im nordwestlichen Tal von Aschersleben ist fast ausgetrocknet, die Quellen um unseren Ort in den Flurteilen sind trocken.
Die Eine bekommt einen kleinen Überschuss von der Rappbode-Talsperre.
1975 Der Mühlbergsweg wurde beschottert und bekiest (von der Quenstedter Straße bis in das Dorf).
1975 Der Stadtweg wurde ab 1975 auf der Bergseite bebaut mit neuen Einfamilienhäusern.
Von der Bäckermühle her ist auf Westdorfer Gelände das erste Haus von Gerhard Brumby errichtet worden, daneben sind die Baustellen von Hans-Jörg Wenzel, Hansi Zjaba, Horst Kiel, Heinz Hinze und Josef Müller.

Zwischen den Grundstücken von Josef Müller und Wilhelm Zipper verläuft die Grenze Aschersleben - Westdorf, in der Höhe am ehemaligen Sondershausener Acker zum Zehn-Morgens-Berg.
1975 Der ehemalige Gutsgarten, wo im 16. Jahrhundert ein großer Schafstall stand, mit dessen Abbruchmaterial die Bruchstein-Gartenmauer gebaut wurde vom Dorfbrunnen bis zum Schwarzen Bär, ist heute eine Kahlfläche, die mit jungen Sträuchern bepflanzt worden ist.
Hier, in diesem Loch, ist im Winter die kälteste Stelle von Westdorf.
1975 Am 28.05. feierte der Männergesangverein Constantia sein 120jähriges Bestehen.
1975 Lieschen Lukas hat auf dem steinigen Acker unter den Drei Hügeln ein Steinbeil gefunden aus grünlich-grauem, glasierten Gestein, mit einem Loch von 18 mm Durchmesser.
Hier haben sich in Vorzeiten die Sachsen mit den Hünen eine Schlacht geliefert.
bis
1975/1976
In der herrschaftlichen Kirchenloge stand ein alter Keramikofen mit Kacheln, den man 1975/1976 abbrach und in den Schutt fuhr.