Aufstellung der Müllermeister in Westdorf:

1639  Müllermeister Stock
1652  Müllermeister Elias Hirsch
1694  Müllermeister Heinrich Hirsch
1706  Müllermeister Nicolaus Müller
1764  Müllermeister Gottfried Erwig
1789 Müllermeister Johann Daniel Andreas Siedel
1812 Müllermeister Friedrich Daniel Schramm
1815  Müllermeister Johann Friedrich Schramm
1890  Müllermeister Daniel Remmecke
1905  Müllermeister Udo Remmecke
1908  Müllermeister Fritz Rohkol
1910  Müllermeister Richard Küster
1950 (oder 1959) Müllermeister Fritz Küster
1950 (oder 1959) Pächter: Müllermeister Erich Eisentraut
1965  Müller Bernd Küster

Die Mühle war Eigentum der Grundherren, sie war ein Inventarstück des Hofes. Die Aufzeichnungen im alten Kirchenbuch beginnen erst im 16. Jahrhundert.

 

1530 Im alten Kirchenbuch wurde der Müllermeister Stock, geboren in Aschersleben, als Müller genannt (Hansen Stock).
1556 Am Dienstag nach Palmarium (Palmsonntag, Sonntag vor Ostern) ertrank die Tochter von Hansen Stock im Bach und wurde bis an das Wehr, den Stau der Bäckermühle, getrieben, wo unmittelbar einige Meter zuvor die Grenze Westdorf - Aschersleben entlang lief.
Die Grenze war hier unübersichtlich und man ging auch von hier ins Ascherslebere schwarz, daher die Schwarzen Brücken an der Bäckermühle.
1640 Hansen Stock ließ eine Tochter taufen, Magdalena.
1647 Am 07.10. starb des Meisters Frau.
1650 Der Müllermeister Stock starb am 29.03., erst 50 Jahre alt.
Er war im Jahre 1600 geboren.
1652 Gabriel Altenstein von Benndorf (geboren 1619) heiratete die Jungfrau Anna Stock, Hansen Stocks selig nachgelassene Tochter.
1653 Der Meister Elias Hirsch aus Belleben heiratete zu Pfingsten die Witwe des inzwischen verstorbenen Meisters Gabriel Altenstein, die Anna geb. Stock.
Diese starb mit 37 Jahren im Kindbett im Jahre 1666.
1661 Am 07.05. heiratete die Rosina Stock (ebenfalls nachgelassene Tochter des Müllermeisters Hansen Stock) den Mathias Popendicker.
Mathias Popendicker ist gestorben am 28.08.1726.
1668 Der Witwer Elias Hirsch heiratete die Witwe Elisabeth Koch aus Aschersleben. Aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor.
1694 Der Meister Heinrich Hirsch (geb. 1654, gest. 1706) heiratete am 29.03. die Anna Bolitz aus Welbsleben, des Ackermanns Hans Bolitz eheliche Tochter.
1707 Die Witwe Anna Hirsch geb. Bolitz heiratete den Müllergesellen Hans Nicolaus Müller (geb. 1684).
Hans Nicolaus Müller ist am 15.05.1739 am Fleckfieber gestorben.
Seine Nachkommen wohnten im Orte im Haus Nr. 3 und waren tüchtige, fleißige Menschen.
1762 Der hiesige Müllermeister war Johann Gottfried, seine Ehefrau war Anna Elisabeth Hörnings aus Aschersleben.
1764 Die Mühle in Westdorf brannte am 02.04.  bis auf die Grundmauern ab. Es war eine riesige Feuersbrunst.

Zu dieser Zeit war der Pastor Johann Godofredo Bürger im Orte. Sein Sohn, der spätere Dichter Gottfried August Bürger, schrieb über diesen Brand ein Gedicht. Dieses ging aber der Nachwelt verloren.
(nach Aufzeichnungen der Lateinschule an der Stephanikirche in Aschersleben)

1767 Gottfried Erwig war Müller in der Westdorfer Mühle.
1789 Johann David Andreas Siedel war Müllermeister, seine Ehefrau hieß Friederike.
Seine Gesellen brachten das Mahlgut nach Aschersleben. Sein Meister in der Mühle war ein Müller Fiedler.

Zu dieser Zeit stand seine Tochter Johanna Margareta Fiedler Gevatter beim Schmiedemeister Joh. Henning Gottfried Wenzel.

Der Sohn Christian David Siedel, Verwalter bei Prediger Christian Philipp Auerbach, ist in Russland gefallen im Jahre 1812.
Er war am 15.11.1794 geboren.
Die Siedels waren in den Jahren 1807-1812 Reiter und Soldaten und starben in den Kriegswirren. Die Witwe Siedel vermachte der Westdorfer Kirche ein gusseisernes Kruzifix, ein Kunstwerk, Harzgeröder Gussarbeit, weil der Müllermeister tot und der Sohn in Russland geblieben war.
Das gestiftete Kruzifix schmückte den Altar unserer Kirche als tiefschwarzes Kreuz (zwei gusseiserne Leuchter gehörten auch dazu).
Dieses Kreuz steht heute (1975) noch im Vorraum der Kirche.
1800 Friedrich David Schramm aus Aschersleben war in dieser Zeit Müllermeister. Im Jahre 1812 wurde er Maire adjoint (stellvertretender Bürgermeister).
1807 Am 11.04. brannten Mühle, Scheunen und Wirtschaftsgebäude ab.
1815 Friedrich Schramm war Müllermeister und Dorfschulze (bis 1834).
Er hat die Westdorfer Mühle vom gefallenen Christian Siedel übernommen.
Er führte ein strenges Regiment mit dem Knotenstock im Dorfe gegen alle, die vom Wege und den örtlichen Gepflogenheiten abwichen, auch bei Diebstahl.
1834 Die Schramms verließen den Ort und gingen nach Aschersleben.
1890 Ein Daniel Remmecke kaufte die Mühle in Westdorf.
1900 Im Februar brannte die Westdorfer Mühle bis auf die Grundmauern nieder. Die Westdorfer Feuerwehr, die erst im Jahre 1896 als Pflichtfeuerwehr in Uniform gegründet worden war, setzte zur Brandbekämpfung eine fahrbare Handdruckspritze ein, aber gerettet konnte nichts werden.
Die alte Mühle hatte eine Bauart wie kein anderes Haus.
Daniel Remmecke ließ eine neue Mühle bauen, so wie sie heute noch erhalten ist. Als die Fundamente über dem Fußboden fertig waren, war er pleite.
Er hatte sich geldmäßig übernommen und sich mit dem jüdischen Bankgeschäft Spanier in Aschersleben eingelassen.
1905 Demzufolge musste sein Sohn Udo Remmecke mit 3 Kindern im Jahre 1905 die Zeche bezahlen!
Udo Remmecke übernahm 1905 die Mühle, ging aber auch in Konkurs.
Der jüdische Kaufmann Spanier wurde im Konkursverfahren Eigentümer.
1908 Die Mühle ging im Konkursverfahren an Fritz Rohkol aus der Harkeröder Buschmühle über. Dieser war noch unverheiratet und heiratete später Meta geb. Wille von Wilsleben.
Es wurde ein Sägewerk angebaut am Westgiebel in Verlängerung der Radwelle. Das war für die Dorfjugend etwas neues und sie haben oft zugesehen, wie das Gatterwerk die großen Stämme in Bretter zersägte.
Aber auch diese Müllersleute machten Konkurs. Sie gingen nach Amerika.
1910 Der Müllermeister Richard Küster aus Bersel bei Halberstadt kaufte die Mühle. Seine Frau war eine geborene Hofmeister, sie brachte viel Geld mit in die Ehe.
Die Eine mit einem unterschiedlichen Wasserstand hatte manchmal so wenig Wasser, dass nur im Mühlgraben Wasser lief, während im Einefluß die Fische sterben mussten. Küster kaufte eine Lokomobile und mit einem Riemenwerk erhielt das Wasserrad eine zusätzliche Kraft.
Die Mühle im Westdorf war die einzigste Mühle von allen anderen (in Harkerode, Stangerode, Welbsleben und Aschersleben), die sich bis heute (1971) noch halten konnte.
Richard Küster schaffte neue Einrichtungen, das Sägewerk wurde abgetakelt. Das Wasserrad wurde umgebaut von der Unterflutung auf Überflutung.
Die Mühle florierte, obwohl zur Mühle keine Furche Acker gehörte.
Nach dem Tode seiner ersten Frau war der Müllermeister Richard Küster ein gezeichneter Mann. Er starb im Jahre 1955 nach einer zweiten Eheschließung (die zweite Ehefrau war Anna Etterwendt, verwitwete Popendicker).
1950
oder
1959
Der junge Müllermeister Fritz Küster, der die Mühle erst übernommen hatte, starb . Er war 1908 geboren und hatte noch 2 Geschwister, Richard und Ilse.
Fritz Küster war mit Gertrud geb. Ernst aus Tilkerode verheiratet.
Nach seinem Tode pachtete der Müllermeister Erich Eisentraut aus Ermsleben den Betrieb einige Jahre.
1965 Bernd Küster (der ältere Sohn von Fritz Küster) übernahm mit seiner Mutter Gertrud Küster den Mühlenbetrieb einige Jahre.
Sie schroteten für die LPG und die paar Menschen, die noch Vieh fütterten.
Bernd Küster wollte Mühlenbauingenieur werden und hatte 2 Jahre den Beruf eines Müllers gelernt bei seinem Onkel in Wernigerode. Danach ging er in Karl-Marx-Stadt zur Schule. Er brach aber das Studium ab.

Die Wirtschaftlichkeit der Mühle war zu Ende. Es gab keine Bauern mehr, die ihr Mahlgut zur Mühle brachten. Die Höfe sind zerfallen.
1972 Im Juli 1972 wurden im Orte durch die Elektriker Erdkabel verlegt, um die Oberleitungen an bestimmten Plätzen, Wegen und Straßen entfernen zu können.