Die Westdorfer Schenke Zum Bären

Seit dem 16. Jahrhundert weiß man von Westdorf, dass der Ort eine Schenke und einen Schenken oder auch Schenkwirt hatte.

Die Schenke lag im Unterdorf gegenüber dem Unterhoff, nicht weit entfernt vom adligen Backhaus. Im Rücken des Schenkengrundstückes lag der Burgarten.
Diese Schenke ist die älteste Schenke im Ort. Sie gehörte dem Hoff, und die hier auf Kundschaft warteten, gehörten als Arbeitskräfte zum Hoff. Das älteste Gebäude ist der Teil, wo später der Konsum sein Warenlager hatte.
Seit 1870 wird die Schenke Schwarzer Bär genannt. Das alte Gebäude an der Straßenfront war die alte Gastwirtschaft. Unten befanden sich Küche und Gaststube, wo die Tür in der Breite geteilt war. Die Treppe nach oben hatte einen Treppenabsatz. Hier konnte man eine Bretterluke öffnen, damit die Musik aus halber Höhe in den Gastraum klang (Klarinette spielte Anfang des 20. Jahrhunderts der alte Brunne und Trompeter war Bösel).

An dieses Gebäude wurde 1870 durch die Familien Rolle und Willert (Zimmerleute und Maurer) die neue Schenke angebaut mit einem großen Tanzsaal darüber, begehbar durch eine Außentreppe mit 20 bis 25 Stufen. Der Saal hatte einen kleinen Ausschank.
Die alte Schenke diente unten auch zu Wohnzwecken. Die alte Schenke war nur die größere Stube im Süden zum Gutsgarten, wo die zweite Linde im Orte stand (der Gutspächter Braune hat diese Linde um 1902 ummachen lassen). Gottfried Helmdag, ein Ascherslebener Grüner Husar, Feldschar, Sanitäter und Barbier, baute nach 1902 eine Veranda in den Garten an. Hier konnte dann der Kaffee eingenommen werden.
Die Tanzfläche war die größte im Ort. Hier feierten die Vereine (abwechselnd mal im Rosengarten und im nächsten Jahr im Bär) ihre Vereinsvergnügen bis 1935.

Die Schenkwirte der Schenke Zum Bären:

1640 Ein Adeloff Borkelmann ist der Schenke.
1672 Caspar Jos kam von Alterode und nahm sich hier eine Frau, die Witwe Anna, Heinrich Schmidts nachgelassene Frau. Er war Schenke bis 1690.
1682 Adolf Borkelmann (der Sohn des Adolf Borkelmann, der 1640 die Schenke hatte) wurde der Schenke.
1690 Eberhard Fricke kam aus dem Stift Hildesheim (1642 dort geboren) als Schenke. Er starb 1716 im Alter von 74 Jahren an Pocken.
1716 Johannes Gieseler (geboren am 31.07.1671) war der Schenke.
Er hatte eine Tochter, Maria Sabina.
Gieseler wurde 59 Jahre alt und starb an einem hitzigen Fieber (1775).
Am 20.10.1716 heiratete Sebastian Rolle die Maria Sabina in Westdorf. Sebastian Rolle war 1693 geboren und ist am 02.05.1771 in Westdorf verstorben.
1806 Hieronymus Rolle errichtete 1806 den Schankbetrieb zu einer Gastwirtschaft mit Nachtquartier für Reisende. Zur Schenke gehörte auch eine kleine Landwirtschaft.
1826 Schenkwirt war der Schuhmachermeister Christian Gottfried Rolle.
Seine Ehefrau Nr. 5 war Catharine Magdalene geb. Einbrodt, Tochter des Kunst- und Handelsgärteners Einbrodt aus dem Oberdorf (in der Gutsgärtnerei).
1834-1837 Die Tochter Johanna Dorothea Magdalena Rolle heiratete den Johann Christian Gottfried Willert vom Berge. Dieser war Schenkwirt von 1834 bis 1867.
1837 Hieronymus Gottfried Rolle war angehender Schenkwirt und Gastwirt. Er heiratete Johanna Caroline Peters.
1867 Schenkwirt war Heinrich Karl Rolle mit Ehefrau Hermine geborene Fügener. In dieser Zeit (um 1870) führten die Brüder Heinrich und Eduard Rolle (Maurer und Zimmerer) den Saalbau durch. Vorher spielte sich alles in bescheidenen Verhältnissen ab im ältesten Teil, welcher heute noch (ca. 1970) zu sehen ist, vorn an der Gasse.
1889-1933 Am 01.02. verkauften die Rolles das Grundstück mit der Schenke Schwarzer Bär (sie wurde seit 1870 so genannt) an Gottfried Helmdag aus dem Lande Anhalt, ein Grüner Husar von Aschersleben (gestorben 1938).
Seine Ehefrau war eine geborene Engelmann. Ihr Vater war ein Obstaufkäufer und Handelsmann mit Vegetalien in Aschersleben. Die Kinder von Gottfried Helmdag waren: Käthe, Gottfried, Karl und Lotte. Lotte Helmdag heiratete den Fritz Schicke (der der letzte Schenkwirt im Schwarzen Bär war).
Helmdag modernisierte alles und baute an die Gaststube unter dem Saal im Garten eine Veranda an, die 1 Meter tiefer lag als die Gaststube. Darüber baute er im Saal einen Platz, wo beim Ball die Musiker saßen (diese Bälle wurden infolge der Modernisierung von Herbst bis Frühjahr öfter abgehalten - durch den Schützenverein, den Gesangsverein, den Kriegerverein und durch die Feuerwehr. Vorweg waren Theatervorführungen mit verschiedenen Akten, Gesang, Solo-Vorträgen auf der Bühne, die 1,50 Meter breit war und entlang dem nördlichen Giebel lag. Der Lehrer Otto Kramer als eine Hauptperson im Orte spielte Klavier und übte alles ein).
Später wurde die Bühne vergrößert. Waldkulissen, ein Dorfplatz, Zimmer - alles was gebraucht wurde, konnte aufgebaut werden.

In den Händen der Helmdags blieb der Schwarze Bär bis 1933.
Letzte Wirtsleute waren Fritz Schicke und Ehefrau Lotte geb. Helmdag. Sie hatten 2 Kinder: Lisa und Fritz.
Fritz Schicke hatte die Gastwirtskrankheit: Nierenleiden. Er starb 1935 und wurde unter großer Beteiligung seiner Kundschaft, auch auswärtiger Gäste, beigesetzt.
Nach dem Tode von Fritz Schicke verkaufte seine Witwe das Grundstück an eine Oberkellner Männel von Aschersleben, der es aber nur kurze Zeit behielt, denn die alte Kundschaft kam nicht mehr und er gab auf.
   

Spätere Nutzung der ehemaligen Gaststätte Schwarzer Bär:

1935 Neuer Eigentümer wurde der Ostpreuße Krecklau.
Bei ihm brannte das Stallgebäude ab.
Im II. Weltkriege waren 17 polnische Gefangene oben im Saal in einem abgeschlagenen Raum untergebracht. Später waren sie in der Schnitterkaserne.

Als Krecklau verkaufte, wurde ein Bienert Verwalter.

Im Kriege hatte jemand aus Bremen das Grundstück gekauft.
Es waren eine Zeitlang Möbel und feine Sachen und Dinge, auch ein Klavier, in den Räumen des Schwarzen Bär untergestellt.
1945 Die neue Spezial-Polizei war in der Gastwirtschaft eingerichtet mit Klubsesseln, lederüberzogenen Sofas und Stühlen.
ab 1950 Anfang der 50er Jahre war der Konsum im Grundstück untergebracht und richtete eine Verkaufsstelle ein.
1964 Ein Kindergarten wurde oben im Saal eingerichtet. Gekocht wurde im Gesellschaftszimmer.
1971 Die Straßenfront ist modernisiert und verputzt worden. Das Dach wurde gedeckt, teilweise sind neue Fenster eingesetzt worden.